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Panda und die Blätterteigstangen oder: Wie war das nochmals mit dem Fremdschämen?

Jetzt habe ich gefühlte zehn Minuten mit mir gerungen, ob ich Pandas Showeinlage tatsächlich mit euch teilen möchte. Um es gleich vorneweg zunehmen: ICH war nicht involviert. Zumindest nur am Rande oder sagen wir, indirekt.

Aber erst mal der Reihe nach ...
Heute Morgen habe ich beschlossen, mit Wendy einen Welpenspaziergang zu zweit zu machen. Passt wunderbar, Raphael hat Spätdienst und folglich Zeit, mit Panda etwas Tolles zu unternehmen. Und ich kann euch verraten: Für Panda wurde es richtig toll!

Wir haben abgemacht, uns danach in einem Café zu treffen und den Vormittag gemeinsam gemütlich ausklingen zu lassen. Also sind wir getrennter Wege losgezogen.

Wendy hält mich ziemlich auf Trab
Ich staune seit Wochen, wie mutig und geschickt ein Welpe sein kann. Meine Erfahrungen waren bisher, dass sich die senso-motorischen Fähigkeiten eines Welpen von Woche zu Woche weiterentwickeln und im Junghundealter dann zur Höchstform auflaufen. Etwas mehr Zurückhaltung im Schulfach Akrobatik würde meinen Nerven echt guttun. Wendy hat mit ihren gewagten Stunt-Einlagen etwas an meinem Nervenkostüm gerüttelt. 

Wendy lässt keine Herausforderung aus, egal wie steil ein Hang ist oder wie gross der Durchmesser eines gefällten Baumes: Sie muss da hinauf! Und in einem Affenzahn den Abhang auch wieder herunter und sei es auf dem Bauch. Beim Baumstamm fungiere ich als Hebebühne Richtung Boden.
Gefühlte fünf Minuten später flitzt sie wie eine Rakete über diese liegenden Froschhüpf-Röhren auf dem Vitaparcours, als ob sie das schon hunderte von Malen gemacht hätte. Und zwar von der ersten bis zur letzten Röhre, ohne einmal anzustossen oder zu stolpern. Sie dreht um und dasselbe zurück. Schliesslich hat Welpi vier Beine und alle sortiert. Wie ihr seht, war unser kleiner Ausflug alles andere als langweilig.

Und jetzt geht es zum wohlverdienten Kaffeetrinken
Wendy schläft müde und zufrieden im Auto, was ich gerade ganz praktisch finde. Latte Macchiato, ich komme!
Empfangen wurde ich auch sehr reizend von zwei Hunden: Von Panda und der caféeigenen Hundedame.

Was haben abgebrochene Blätterteigstangen mit Panda zu tun?

Raphael bestellte sich offenbar bereits Blätterteigstangen. Ich denke kurz darüber nach, weshalb in dem Glas drei abgebrochene Stangerl stehen. Und schon lüftet sich das Geheimnis. Panda hatte sich heimlich davongeschlichen, sich auf die Hinterbeine gestellt, ihre Nase lang gemacht und drei Stangen angeknabbert. Zu diesem Zeitpunkt stand das Gefäss jedoch noch nicht auf «unserem» Tisch.

Das ist definitiv nicht meine Geschichte mit den Stangerln
Kennt ihr solche Momente, wo ihr am liebsten in einem Erdloch verschwinden würdet, weil euch die Situation so peinlich ist? Nur um das klarzustellen: ICH war nicht beteiligt. Das hier war ganz alleine Raphaels und Pandas Angelegenheit! Schliesslich habe nicht ich meine Aufsichtspflicht verletzt.

Panda wittert ihre Chance

Während Raphael mit mir telefonierte, um den Treffpunkt durchzugeben, hatte Panda ihre Chance gewittert und sich den Köstlichkeiten genähert, die sie offenbar bereits beim Ankommen gesichtet hatte. Innerlich fahre ich gerade etwas hoch. Ich bin hier die Hundetrainerin und Panda ist mein Hund. Panda umgeben von Essbarem nicht zu beaufsichtigen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Sie hat immer Hunger! Und wenn man was finden kann, macht es doppelt Freude.

Fremdschämen ist echt unangenehm
Ich denke gerade darüber nach, weshalb ich mich fremdschäme. Hat vermutlich mit meiner Profession zu tun. Wie kann der Hund einer Hundetrainerin sich so benehmen! Das disqualifiziert mich ja völlig. Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir: «Am Sonntag wird der Hund einer Hundetrainerin verhaftet, weil er sich unrechtsmässig bereichert hat.» Oder: «Einer Hundetrainerin wird die Bewilligung entzogen, weil deren Hund einen Mundraub begangen hat.»
Dabei war ich doch gar nicht beteiligt!

Auf alle Fälle hatten wir dann trotz allem noch einen sehr netten Aufenthalt in diesem reizenden Café mit einem sehr feinen Latte Macchiato und äusserst schmackhaften Blätterteigstangen. Ich muss trotz allem zugeben, dass Panda gut gewählt hat und über einen ausgesprochen differenzierten Geschmack verfügt.

Bitte versprecht mir, diese kleine Geschichte für euch zu behalten. Aber das Café empfehle ich sehr gerne weiter, fragt mich einfach an.

 In diesem Sinne:

«Sich nicht für alles verantwortlich zu fühlen, erleichtert das Leben ungemein.»

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