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Wendy und die Steine, eine Geschichte in mindestens drei Akten

Wendy geht strategisch vor
Wer Wendy kennengelernt hat weiss, wie strategisch sie vorgeht und dass sie mein kynologisches Fachwissen öfters mal abfragt.
Wendy hat zu fast allem einen Plan. Und wenn er scheitert, weil ich einen anderen Vorschlag mache, nimmt sie diesen zwar gerne an, aber nur um einen neuen Plan daraus zu entwickeln.
 
Das Einsteigen ins Auto haben wir erfolgreich abgeschlossen
Gleich vorneweg: Die Sache mit dem Autoeinsteigen haben wir jetzt erfolgreich und zur Zufriedenheit aller Beteiligten abgeschlossen. Wendy hüpft auf mein Signal und kommentarlos ihrerseits ins Auto und wartet auf ihre Belohnung. Keine Spielchen mehr, keine Diskussionen. Was bin ich froh! Langweilig wird es trotz allem nicht.
 
Eine neue Spielebene tut sich auf
Eine ihrer weiteren Spielebenen sind die kleinen Steine in unserem Garten.
Die Herausforderung im Umgang mit Wendy ist ihre Fähigkeit, sehr schnell Verhaltensketten zu kreieren oder diese sehr dankbar anzunehmen, wenn man sie ihr vor die Pfoten legt. Auch bei dieser Geschichte mit den Steinen geht es um Verhaltensketten.
 
Lernschritt 1
Vom Tauschen zum Ausgeben in der Erwartung der Belohnung
Als Welpe brachte sie öfters mal einen Stein mit nach drinnen und kaute darauf herum. Natürlich haben wir die Steine gegen etwas anderes getauscht. Die Gefahr eines Zahnschadens oder gar des Verschluckens eines Fremdkörpers war uns einfach zu gross.
Wendy hat sehr schnell gelernt, dass es sich lohnt, Steine in ihr Bettli zu tragen, weil dort ein Tauschgeschäft auf sie wartet. Das Ausgeben hat nach einigen Malen wunderbar geklappt.
 
Lernschritt 2
Zuerst die Handlung, dann die Belohnung
Folglich war der nächste Lernschritt: Zuerst spucken, dann folgt die Belohnung, vom Tauschen weg zu einer Handlung ihrerseits. Wendy passte ihre Strategie gleich an. Sie rannte nach draussen, suchte einen Stein, legte sich in ihr Bettli, schaute mich erwartungsvoll an und wenn ich ihren Blick erwiderte, mutierte sie zum Lama und spukte den Stein in hohem Bogen aus dem Fang.
 
Lernschritt 3
Verhalten unter Signalkontrolle setzen
Nun konnte ich locker ein Signal vorneweg setzen, weil ich sicher war, dass Wendy spuckt. Das Doofe an der Geschichte: Um zu spucken und belohnt zu werden, muss man ja etwas suchen und hineintragen.
 
Diese neue Verhaltenskette zu unterbrechen, bedurfte wieder einiger Überlegungen meinerseits. Sie nur noch angeleint in den Garten zu lassen und alles zu kontrollieren ist nicht mein Ding und das finde ich auch nicht zielführend. Und ihr im Garten hinterherzugehen auch nicht.
 
Wie komme ich aus der Nummer wieder raus?
Meine Idee war folgende: Während Wendy draussen am Pinkeln ist und ziemlich sicher einen Stein mitbringt, lege ich einfach ein Gudi in ihr Bettli. Ich bin dann sozusagen raus aus der Nummer.
 
Wendy kommt herein, sieht das Gudi, spuckt den Stein, den ich dann ohne was zu sagen entferne, während sie das Gudi frisst. Ihr glaubt es nicht, das hat eine Weile supergut funktioniert. Und zwar so gut, dass Wendy nach dem Pinkeln schnell wieder rein wollte, um die Gudis im Bettli zu suchen. Und das ganz ohne Stein! Wie cool ist das denn. Ich hätte ja gleich diesen Lernschritt nehmen können, anstatt einen Umweg über die beiden vorherigen zu machen.
Wobei ich trotzdem froh bin, dass Wendy Steine und andere Objekte gerne wieder ausspuckt, wenn ich das möchte.
 
 
Die Schnecke auf dem Fenstersims als Steinlieferantin
So war ich eine Weile ganz zufrieden, was die Steingeschichte betrifft. Bis zu dem Moment, wo Wendy mit einer dicken Backe und einem erwartungsvollen Blick wieder in ihrem Bettli lag und mit einem schlemischen Blick zu mir hinüberschaute.
Wo kommt bloss dieser Stein jetzt her? Keine Ahnung, war ein blöder Zufall, denke ich, belohne das Spucken des Objektes mit einem Gudi und schreibe weiter an meiner e-Mail.
Aus den Augenwinkeln beobachte ich Wendy. Sie schaut kurz zu mir und schleicht sich ab in Richtung Wohnzimmer. Da es dort mit Sicherheit keine Steine gibt, wende ich meine Aufmerksameit wieder dem Laptop zu. Denkste!
 
Kurzer Blick zu Wendy, EINE DICKE BACKE, das glaub ich jetzt nicht. Wendy schaut mich an, spuckt den Stein und wartet auf ihr Gudi. Das steinige Corpus delicti kommt mir sehr bekannt vor. Auf dem Fenstersims im Wohnzimmer liegen genau solche Steine um eine Schnecke aus Ton rum. Wendy hat diese entdeckt und sie als ihr neues Trainingsinstrument für Bea auserkoren. Schliesslich wollen wir ja in Uebung bleiben.
 
Ich staune immer wieder, wie clever dieses Hundemädchen unterwegs ist. Wie viele Ideen in so einem kleinen Köpfchen Raum finden und wie zielgerichtet sie diese in Handlungen transformiert.
 
Dieses Mal mache ich keinen grossen Trainingsplan sondern habe mich für Management entschieden. Was übersetzt heisst: An die Steine kommt sie nicht mehr ran.
 

In diesem Sinne:

«Wenn Dir das nächste Mal jemand einen Stein in den Weg legt, nimm es gelassen und gehe mit einem Lächeln darüber hinweg.»

 
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