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Ein Hundeleben zwischen Warten und Wiedersehen

Emma bleibt zu Hause   

In der Wohnung ist es ruhig. Emma liegt in ihrem Hundebett und wartet seit Stunden. Irgendwann wird ihr Mensch nach Hause kommen. Dann gibt es etwas Feines, einen Spaziergang oder eine Beschäftigung. Für Emma ist dieser Moment der Höhepunkt ihres Tages.

So oder ähnlich lesen sich Geschichten von Hunden, die alleine zu Hause bleiben müssen.

Manche Hunde laufen immer wieder zur Haustüre, gehen ans Fenster, legen sich wieder hin und stehen kurz darauf erneut auf. Andere bellen zwischendurch oder lauschen bei jedem Geräusch im Treppenhaus. Und dann gibt es jene Hunde, die gelernt haben zu warten. Auf den ersten Blick wirken sie ruhig und angepasst. Man könnte meinen, ihnen mache das Alleinsein nichts aus.

Wenn Warten zum Alltag wird

Oft höre ich dann Sätze wie: «Mein Hund braucht gar keine anderen Hunde.» Oder: «Er kommt aus dem Tierschutz und ist einfach dankbar, dass er jetzt seine Ruhe hat.» Natürlich sind ein sicheres Zuhause, regelmässiges Futter und verlässliche Menschen wichtige Voraussetzungen für ein gutes Leben. Leider ist das bei weitem nicht ausreichend für ein erfülltes Hundeleben!

Hunde gehören zu den sozialen Lebewesen. Dass sie lernen können, einige Zeit alleine zu bleiben, steht für mich ausser Frage. Ich spreche von einem Alltag, in dem der Hund morgens alleine zurückbleibt und erst viele Stunden später wieder Gesellschaft hat. Nicht ausnahmsweise, weil es einfach nicht anders ging und die Betreuung ausgefallen ist. Nein, Tag für Tag, Woche für Woche und Monat für Monat.

Ein Blick auf die Bedürfnispyramide

Schauen wir uns die Bedürfnispyramide von Maslow angewendet auf unsere Hunde an. Natürlich lässt sie sich nicht eins zu eins übertragen. Der Grundgedanke hilft aber, das Ganze einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Auf der ersten Stufe stehen die körperlichen Grundbedürfnisse. Wasser, Futter und ein warmer Schlafplatz sind vorhanden. Bei Bewegung, Erholung oder der Möglichkeit, sich zu lösen, wird die Antwort schon weniger eindeutig.

Auf der zweiten Stufe geht es um Sicherheit und Vorhersehbarkeit. Ein Hund weiss irgendwann, dass morgens die Haustüre ins Schloss fällt und sein Mensch erst viele Stunden später zurückkommt. Gewöhnung und Wohlbefinden sind jedoch nicht dasselbe.

Die sozialen Bedürfnisse

Mit der dritten Stufe geht es in Richtung tierschutzrelevant. Wir sprechen von sozialen Bedürfnissen und von Bindung. Ein Hund freut sich sehr, wenn sein Mensch nach Hause kommt. Das wird oft als Beweis einer besonders engen Bindung verstanden. Diese hohe Erregung ist oft vielmehr Ausdruck davon, dass der Hund gestresst war und sich dieser Stress bei der Rückkehr seines Menschen entlädt.

Auch das Beschäftigungsprogramm am Abend verändert daran wenig. Es macht den Menschen vielleicht zufriedener, weil er sein eigenes Gewissen beruhigt. Für den Hund bleibt der grösste Teil seines Tages trotzdem derselbe.

Selbstwirksamkeit und Entfaltung

Auf der vierten Stufe geht es um Selbstwirksamkeit. Um die Möglichkeit, Einfluss auf die eigene Situation zu nehmen, Entscheidungen zu treffen und Erfahrungen zu sammeln. Ein Hund, dessen Alltag über viele Stunden hauptsächlich aus Warten besteht, hat dafür nur wenig Raum.

Auf der letzten Stufe steht die individuelle Entfaltung. Erkunden, schnüffeln, beobachten, Sozialkontakte pflegen und hündisches Verhalten ausleben. Ich denke dabei an die Wintermonate. Morgens ist es dunkel, wenn der Hund nach draussen kommt, und am Abend ebenfalls.

Diese Frage beschäftigt mich

Je länger ich über diese Pyramide nachdenke, desto häufiger stelle ich mir dieselbe Frage.

Haben sich Menschen so sehr daran gewöhnt, dass Hunde während ihres Arbeitstages alleine zu Hause bleiben und deshalb gar nicht mehr in der Lage sind, dieses einsame Leben aus Hundeperspektive zu betrachten?

Ich kenne darauf nur meine eigene Antwort. Fakt ist: Nicht jeder Tierschutzhund, der gerettet wird, hat nachher ein erfülltes Leben. Egal, wie gut es der Mensch denkt.

In diesem Sinne:

«Bevor du einen Hund rettest, denk darüber nach, was du ihm bieten kannst.»

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