LIMA – Was steckt hinter dieser Abkürzung, die wie Limonade tönt?
Grafik abgeändert nach dem LIMA-Prinzip (Susan Friedman) / KI generiert / Text Beitrag Bea Koti
Das Originalbild findes du dazu, wenn du obige Angaben googelst.)
LIMA ist bekannt geworden durch Susan Friedman, eine US-amerikanische Verhaltensanalytikerin. Sie überträgt die Prinzipien der angewandten Verhaltensanalyse auf das Training von Haustieren.
LIMA ist ein Akronym für Least Intrusive, Minimally Aversive. Übersetzt: So wenig eingreifend wie möglich, so wenig aversiv wie nötig.
Verhalten verstehen statt bewerten
Gemeint ist damit, dass Verhalten immer in einem Kontext entsteht und eine Funktion hat.
Wenn wir Verhalten verändern wollen, braucht es zuerst eine sorgfältige Verhaltensanalyse.
Das Bild mit dem Auto und den verschiedenen Strassenabzweigungen hilft, das zu verstehen. Ich habe die Grafik aus Urheberrechtsgründen abgeändert. Anstatt in eine Abzweigung gehst du von Segment zu Segment.
Es zeigt auf, welche Wege wir einschlagen können, um gemeinsam mit unserem Hund ans Ziel zu gelangen. Eine Abzweigung/ ein Segment auszulassen ist zwar möglich, macht jedoch wenig Sinn und führt den Hund im Lernprozess oft in Frustration oder Meideverhalten.
Die verschiedenen „Abzweigungen“ im Überblick
Zum besseren Verständnis einige Fallbeispiele
Fall 1: Exit 1
Wohlbefinden, Gesundheit, Ernährung, Physis, Haltung
Mittelpudel Berti
Gesundheit als Grundlage
Heute steht ein Ausflug mit dem Auto auf dem Programm. Der Rucksack ist gepackt, die Kinder sitzen bereits erwartungsvoll im Auto. Normalerweise ist Klein-Berti freudig aufgeregt und kann es kaum erwarten, bis es endlich losgeht.
Heute bleibt er in seinem Bettchen liegen. Auch auf das zweite Rufen steht er nicht auf. Seine Familie wird aufmerksam, vermutet, dass es ihm nicht gut geht, und entscheidet sich, den Ausflug zu verschieben. Stattdessen fahren sie mit Berti zum Tierarzt.
Die Diagnose: eine schmerzhafte Magenschleimhautentzündung. Berti bekommt ein Medikament verschrieben. Ohne diese Abklärung würde jedes Training ins Leere laufen.
Fall 2: Exit 2
Gestaltung der Situation und Management der Auslöser
Ridgebackhündin Jule
Rahmenbedingungen ermöglichen Verhalten
Heute steht Leinenführigkeit in der Hundeschule auf dem Programm. Jule ist sehr aufgeregt. Ein Spiel mit den anderen Hunden wäre jetzt viel spannender als ruhiges Laufen an der Leine.
Die Fachperson erkennt, dass Jule mit der aktuellen Situation überfordert ist. Sie vergrössert den Abstand zu den anderen Teams und passt das Setting an. Erst jetzt gelingt es Jule und ihrem Menschen, eine ruhige Sequenz zu laufen.
Die Voraussetzung für Lernen ist geschaffen.
Fall 3: Exit 3
Positive Verstärkung
Dackel Oskar
Lernen darf sich lohnen
Dackel Oskar ist mit seinem Menschen unterwegs. Er hat gut geschlafen, ist ausgeglichen und voller Energie. Das Gebiet ist bewusst so gewählt, dass wenig Ablenkung vorhanden ist.
Das Rückrufsignal steht auf dem Programm. Oskar hört den Doppelpfiff und rennt sofort zu seinem Menschen. Dort wartet eine hochwertige Belohnung auf ihn.
Oskar lernt, dass sich das Kommen lohnt. Freude und Motivation entstehen.
Fall 4: Exit 4
Differenzielle Verstärkung von Alternativverhalten
Labrador Gini
Ein Verhalten durch ein anderes ersetzen
Labrador Gini frisst für ihr Leben gerne. Während die Familie am Tisch sitzt, versucht sie regelmässig, etwas abzubekommen, und stellt sich nahe an den Tisch.
Das Betteln führt ab sofort zu keinem Erfolg mehr.
Gleichzeitig wird ein Alternativverhalten aufgebaut: Gini geht auf ihre Decke und bleibt dort liegen. Dieses Verhalten wird konsequent verstärkt. Gini lernt, dass sich der Aufenthalt auf der Decke lohnt, während das Betteln wirkungslos bleibt.
Hilfreich ist, wenn die Decke zuvor bereits positiv aufgebaut wurde.
Gini lernt, welches Verhalten sich lohnt.
Fall 5: Exit 5
Extinktion, negative Strafe, negative Verstärkung
Labrador Gini
Verhalten läuft ins Leere
Gini hatte bisher immer Erfolg mit ihrem Betteln. Nun beschliesst die Familie, nichts mehr vom Tisch zu geben. Gini reagiert zunächst mit mehr Einsatz: Fiepen, Bellen, Hochspringen. Dieses Verhalten ist eine typische Extinktionsreaktion. Da weiterhin kein Erfolg folgt, nimmt das Verhalten mit der Zeit ab.Das Ausbleiben der erwarteten Belohnung kann als negative Strafe verstanden werden. Etwas Erwartetes bleibt aus.
Extinktion ohne ein Alternativverhalten ist für den Hund oft sehr frustrierend.
Würde Gini hingegen über Druck, zum Beispiel über das Halsband, auf ihren Platz gebracht, würde ein unangenehmer Reiz eingesetzt. Sobald Gini auf der Decke ist, hört dieser auf. Das wäre ein Beispiel für negative Verstärkung: Ein unangenehmer Zustand endet, wenn der Hund ein bestimmtes Verhalten zeigt. Auch wenn es funktioniert, ist dieser Weg mit Stress verbunden und aus fachlicher Sicht nicht zu empfehlen.
Fall 6: Exit 6
Positive Strafe
Doodlehündin Mascha
Verhalten unterdrücken
Mascha zieht an der Leine stark, sobald sie einen anderen Hund sieht. Ihr Mensch verliert regelmässig die Geduld, reisst sie an der Leine zurück und schimpft.
Mascha erschrickt, duckt sich und zeigt Unsicherheit gegenüber ihrem Menschen.
Positive Strafe bedeutet, dass etwas Unangenehmes hinzugefügt wird, wodurch ein Verhalten abnimmt. In diesem Beispiel fehlt jedoch die Grundlage:
Mascha hat keine Möglichkeit gelernt, wie sie sich in dieser Situation anders verhalten kann. Aus meiner Sicht ist dieser Weg weder notwendig noch sinnvoll. Alle anderen „Abzweigungen“ wurden übersprungen. Der Hund hat keine echte Chance, ein alternatives Verhalten zu entwickeln.
Alle Abzweigungen bauen aufeinander auf
Je weiter vorne wir ansetzen, desto klarer, fairer und nachhaltiger wird Lernen.
Wer Verhalten verändern will, ohne die ersten Exits mitzudenken, arbeitet am Symptom und nicht an der Ursache. Und das ist und bleibt unfair dem Hund gegenüber.
In diesem Sinne:
«Verhalten verändert sich am fairsten durch Wege, die sich für den Hund lohnen.»
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