Oft mehr Schein als Sein in der Hundetrainerwelt
Die Hundetrainerbubble
Ich weiss nicht, wie lange du dich schon in der Hundewelt bewegst. Oder vielleicht treffender formuliert: in der Hundeszene. Oder noch genauer: in der Hundetrainerbubble. Bei mir sind es mittlerweile über siebzehn Jahre. So spannend und auch verwirrend, was sich da draussen alles tut.
Wenn Profile wie universitäre Studiengänge klingen
Wenn ich mir ab und zu ein Profil einer Hundefachperson anschaue, entsteht bei mir manchmal der Eindruck, diese hätte ihr Studium mit Summa Cum Laude abgeschlossen:
„Studium der Hundewissenschaften und Hundepsychologie am Institut XY. Weiterbildung in verhaltensmedizinischer Tierpsychologie, mit Auszeichnung bestanden. Langjährige kynologische Erfahrung. Seit zwei Jahren begleitet mich mein schwieriger Tierschutzhund durch den Alltag.“
Zwei Seiten Weiterbildung und ein grosser Titel
Ich könnte das beliebig weiterführen. Auflisten, ausschmücken, mit Fachbegriffen füllen. Zwei Seiten Weiterbildung, sauber verpackt. Jeder einzelne Ausbildungsinhalt als Kompetenz aufgeführt. Und dann als Krönung noch ein Titel mit „Tiermedizin“ irgendwo drin.
Tiermedizin im Namen, aber nicht im Inhalt
Ich frage mich ernsthaft, wie man überhaupt dazu kommt, Ausbildungen anzubieten, die im Titel Tiermedizin tragen. Zumal jede und jeder daran teilnehmen kann, ohne je Veterinärmedizin studiert zu haben.
Online gelernt, offline nie erlebt
Was mich dabei nicht nur erstaunt, sondern ehrlich gesagt erschreckt: Vieles davon findet komplett online statt. Ohne je vor einem Mensch-Hund-Team gestanden zu haben. Ohne Praxis. Ohne sich im Rahmen des „Studiums“ auch nur einmal mit einer supervidierten Verhaltensberatung auseinandergesetzt zu haben.
Irreführung mit System
Aus meiner Sicht ist das eine Irreführung. Es werden Kompetenzen suggeriert, die im tiermedizinischen Bereich schlicht nicht vorhanden sind. Ausser natürlich, die Person hat tatsächlich Tiermedizin studiert.
Wenn Worte mehr versprechen als Können
Dasselbe gilt für Begriffe wie Verhaltenstherapie statt Verhaltensberatung. Es klingt einfach seriöser. Therapeutisch ist immer gut und weckt Vertrauen auf Kundenseite. Selbst, wenn die Fachperson über keinen therapeutischen Hintergrund verfügt, wird das Attribut gerne aufgeführt.
Darin sehe ich tatsächlich ein grosses Problem
Es geht nicht darum, wer wie viele Weiterbildungen hat. Und wie hochtrabend diese tönen. Es geht darum, wie viele Erfahrungen eine Fachperson gemacht hat. Wie prall ihr Rucksack mit praktischem, angewandtem Wissen gefüllt ist. Es geht darum, wie jemand mit Mensch und Hund arbeitet. Wie gut er oder sie ein Thema erfassen, Ziele formulieren und Lösungswege aufzeigen und umsetzen kann
Die Hundewelt wird immer skurriler
Alles, was dem Wohl der Tiere dient, dafür bin ich voll dabei.Alles, was hochtrabend klingt und mehr verspricht, als es halten kann, ist für mich nichts anderes als eine schöne Verpackung ohne entsprechenden Inhalt.
In diesem Sinne:
«Nicht überall, wo Ausbildung draufsteht, steckt auch Kompetenz drin.»
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