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Alfons macht ein Häufchen und der Algorithmus schlägt zu

Allerliebst und klicktauglich

Ach wie nett, wie Alfons sein Häufchen setzt. Und wie er danach auch noch daran schnuppert. Einfach allerliebst. Das muss ich unbedingt posten. Das gibt sicher viele Klicks.

Gestern habe ich ein wahnsinnig herziges Video von meiner Luna und mir auf Insta hochgeladen. Wie wir zusammen auf dem Sofa sitzen und kuscheln. Du glaubst gar nicht, wie viele Likes wir dafür bekommen haben.

So oder ähnlich sehen viele Shorts und Reels aus. Und ich frage mich tatsächlich, wen das interessiert.

Neulich bin ich über ein Short gestolpert: Ein Schreibtisch, ein aufgeklappter Laptop. Auf dem Bildschirm eine angefangene Powerpointfolie mit dem Titel: Wie jage ich eine Katze in drei Sekunden auf einen Baum. Darunter sinngemäss die Erklärung: Ich bin gerade daran, das Katzenkletterseminar für euch vorzubereiten. Die Tasse Kaffee darf bei diesem Stilleben auf keinen Fall fehlen.

Warum wir trotzdem scrollen

Was veranlasst Menschen, endlos und oft stundenlang durch die sozialmediale Landschaft zu scrollen?
Ich habe mich auf die Suche nach Erklärungen gemacht und bin auf das SEEKING-System von Jaak Panksepp gestossen. Wer mit Hunden arbeitet, weiss, wie zentral dieses System ist. Es ist stark dopaminerg gesteuert. Der Hund erkundet, sucht, entdeckt und will etwas erleben.

Beim Scrollen durch Social Media passiert im Grunde etwas Ähnliches. Auch hier ist das menschliche SEEKING-System aktiv. Scrollen ist exploratives Verhalten. Wir suchen. Wir erwarten. Währenddessen wird Dopamin ausgeschüttet. Nicht erst beim Finden, sondern bereits beim Suchen. Das hält uns, respektive unseren Daumen, in Bewegung.

Kognitive Entlastung statt Dissonanz

Ein weiterer Aspekt: Je niederschwelliger der Inhalt, desto weniger kognitive Anstrengung ist nötig. Ein Foto eines aufgeklappten Laptops. Ein kurzer Einblick ins Sofa-Kuscheln. Ein beiläufiger Alltagsschnappschuss. Das alles kann entlastend wirken. Es entsteht keine Ambivalenz und kein Gewissenskonflikt, weil man gerade selber auf der Couch liegt und auch kein Ringen mit dem inneren Schweinehund. Einfache Inhalte, einfach konsumierbar.

Plattformen belohnen Inhalte, die möglichst vielen Menschen zugänglich sind. Durchschnittlichkeit performt stabiler als tiefgründige Beiträge. Ein Text, der fordert oder irritiert, erzeugt Reibung. Ein banales Video erzeugt hingegen Verweildauer.

Dabei sein ohne da zu sein

Gleichzeitig simulieren diese Alltagsvideos soziale Präsenz. Sie geben Mikroeinblicke in das Leben anderer. Für einen Moment entsteht das Gefühl, teilzuhaben. Dabei zu sein, ohne selbst sichtbar zu werden. Und wenn es nicht mehr passt, wischt der Daumen weiter.

Was mich dennoch erstaunt, ist die Diskrepanz zwischen banalem Inhalt und grosser Reichweite. Manchmal entsteht der Eindruck: Je gewöhnlicher der Beitrag, desto grösser die Aufmerksamkeit.

Vielleicht irritiert mich weniger die Banalität an sich, sondern die Frage, was sie in uns bedient. Und was dabei auf der Strecke bleibt.

Und was am Ende der Gewinn ist

Ich frage mich ernsthaft, wie unser Gehirn diese Fülle an Bildern und Impulsen auf Dauer verarbeitet. Für mich fühlt es sich oft nach Reizüberflutung an. Ich selbst ziehe es vor, einen längeren Beitrag zu lesen oder ein gehaltvolles Video zu schauen, aus dem ich etwas mitnehmen kann. Zudem schone ich meine Daumen und bewahre sie vor vorschneller Abnutzung.

In diesem Sinne:

«Weniger wischen, mehr denken.»

 
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