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Die Hundewelt ist in Schieflage geraten

Etwas läuft definitiv schief in der Hundewelt

Immer mehr junge Hunde kommen nicht mehr zur Ruhe. Sie flitzen im übererregten Zustand durch ihr junges Leben, beissen in alles, was sie finden und hängen sich an Hosenbeine. Sie folgen ihren Menschen auf Schritt und Tritt, als könnten sie es sich nicht leisten, auch nur eine Sekunde loszulassen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Beschäftigung statt Beziehung?

Es scheint, als ob viele Menschen Angst hätten, ihr Welpe könnte etwas verpassen, wenn er nicht dauerhaft beschäftigt und gefördert wird. Also geht man zur Welpengruppe für die Sozialisierung. Danach ab in die Junghundegruppe. Und weil das noch nicht reicht, gleich Mantrailing, Dogdance oder Trüffelkurse obendrauf. Alles möglichst früh. Alles möglichst intensiv. Alltag? Zu langweilig. Da landet der Hund in der Unterforderung!
 

Wenn die Erregung zur Norm wird

Mit einem halben Jahr «braucht» der junge Hund angeblich ein richtiges Hobby. Hauptsache, er wird nicht gelangweilt. Je aufgeregter er wird, desto mehr wird er ausgelastet. Die Erregungsspirale dreht nach oben. Gleichzeitig fallen die Erwartungen des Menschen im Sturzflug nach unten. Quer durchs Internet, Videos angeschaut, Methoden ausprobiert. Nichts bringt Ruhe. Der Mensch verzweifelt. Der Hund erst recht.
 

Was ist hier schiefgelaufen?

Warum darf ein Welpe nicht in aller Ruhe in sein Fell hineinwachsen? In seinem Tempo. Und mit allen Erfahrungen, die der Alltag bietet. Und nicht mit künstlich erzeugten Reizen und Settings. Warum ist der Mensch so ungeduldig und verlangt von Anfang an Sitz, Platz, Fuss und einen Gassigang am besten bereits durch die Stadt? Wenn der Welpe eigentlich noch eine kleine, überschaubare Welt bräuchte, um in Ruhe in sein Leben hineinzuwachsen.

Paradoxie im Alltag

Sobald der Hund eigene, kreative Alltagsideen entwickelt, wird er zum Problemhund deklariert. Lieber baut man ihm im gesicherten Garten einen Beschäftigungsparcours, statt mit ihm die Natur zu erkunden und gemeinsam Abenteuer zu erleben.
 

Zeit für ein Hinterfragen

Was macht es mit einer ganzen Generation junger Hunde, wenn ihr Nervensystem kaum mehr die Chance bekommt, sich regulieren zu lernen? Wenn ein dauererhöhter Sympathikus zur Normalität wird? Ist es nicht höchste Zeit, diese Frühförderungsideen zu hinterfragen? Und wieder mehr Normalität in den Hundealltag zu bringen, wo die hündischen Bedürfnisse im Zentrum stehen?
 
Ich plädiere für mehr Bedürfnisorientierung für den Hund und weniger Bedürfnisbefriedigung für den Menschen.
 
In diesem Sinne:
 

«Ein Welpe ist kein Optimierungsprojekt für den Menschen, sondern ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, Vorlieben und Ideen.» 

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