Deinem Hund das Leben zutrauen
Szene im Strassencafé
Panda und Wendy haben es sich auf dem Boden gemütlich gemacht. Unterschiedliche Hunde gehen an uns vorbei. Unsere zwei Damen scheint das nicht zu interessieren, sie dösen weiter vor sich hin.
Neugier befriedigen
Nach einer Weile taucht ein Mensch mit seinem aufgeregten Hund auf. Der Hund bellt und zieht an der Leine zu unserem Tisch hin. Wendy und Panda bleiben liegen, bis der Hund vorbei ist. Dann steht Wendy auf und schaut dem Gespann interessiert hinterher. Nachdem ihre Neugier befriedigt ist, legt sie sich von allein wieder hin und döst weiter.
Kompetenz der Hunde
Für mich war das wieder ein Beispiel, wie kompetent Hunde sind, wenn man ihnen nicht dauernd dazwischenfunkt und sie massregelt. Hätte ich sie für das Aufstehen zurechtgewiesen, wäre das eine sehr sinnentleerte Intervention gewesen, die Wendy sicher nicht hätte einordnen können. Sie hat sich weder vom Tisch entfernt, noch hat sie sonst etwas gemacht, das störend war für die Umwelt. Sie hat einfach im Stehen dem Hund nachgeschaut, weil sie so einen besseren Überblick hatte.
Sinnlose Kommandos für den Hund
Wie viele sinnlose und überflüssige Befehle und Kommandos ein Hund täglich ausführen muss, dem Menschen zum Wohlgefallen und zur Egobefriedigung! Vermutlich denkt der Mensch, dass sein Hund ohne sein Rumkommandieren total verloren ist in dieser Welt. Da wird gerufen und befohlen, was das Zeugs hält. Wohin oder wen der Hund anschauen soll, wie schnell und wie langsam er gehen darf, was erlaubt ist zu erkunden, wie lange er ruhen und schlafen darf, mit wem er interagieren soll und wer als Sozialpartner tabu ist. Sogar zum Pinkeln und Koten wird der Hund aufgefordert. Als ob das vegetative Nervensystem das nicht von allein lösen könnte. Oder sagt dir jemand, wann du aufs Klo gehen sollst?
Fremdbestimmt durchs Hundeleben
Wir schicken unsere Hunde auf ihre Decken oder in ihre Betten, geben ihnen nach unserem Gutdünken zu essen, bringen sie zur Hundeschule oder in den Hundehort, bestimmen, wo und wie lange wir spazieren, ob der Hund ins Wasser darf oder ob heute Trockenzeit ist. Im Prinzip ist der Hund ein sehr fremdbestimmtes Lebewesen. Und dafür soll er auch noch dankbar sein und seinem Menschen zu Füssen liegen!
Vertrauen schenken
Am Ende geht es darum, den Hunden das Leben zuzutrauen. Sie wissen oft selbst, was in einer Situation stimmig ist. Vertrauen heisst, nicht dauernd dazwischenzugehen, sondern den Raum zu lassen, in dem Hunde ihre eigene Kompetenz zeigen können.
In diesem Sinne:
«Wenn du deinem Hund das Leben zutraust, wächst Vertrauen.»
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