Skip to main content

«Da muss er jetzt durch, sonst wird er immer mehr Angst haben!»

«Da muss er jetzt durch, sonst wird er immer mehr Angst haben!»
Eine Begegnung heute Morgen auf unserem Spaziergang mit einer Frau und ihrem kleinen Hund: Die Frau entfernt die Leine vom Hund und geht weiter auf uns zu. Der kleine Hund lässt sich sofort zurückfallen, bleibt stehen und getraut sich keinen Schritt näher zu kommen.
Die Frau geht tatsächlich an uns vorbei und schaut sich nicht mal nach ihrem kleinen Hund um. Nun befinden sich zwei Hunde und ein fremder Mensch zwischen ihm und seiner Besitzerin.
 
Wir bleiben stehen, um es dem kleinen Hund etwas leichter zu machen
Natürlich gehen wir nicht weiter auf den Hund zu, sondern machen wieder etwas mehr Distanz. Ich spreche die Frau darauf an, dass sich ihr Hund gerade alles andere als wohl fühle und es sehr Sinn mache, wenn sie zu ihm zurückgehe und ihn in dieser Situation unterstütze.
 
Angst hilft bei Angst oder wie war das nochmal?
Davon will sie gar nichts wissen. Ihr kleiner Hund sei vor einigen Wochen von einem grossen Hund sehr übel verbissen worden. Er habe ihn sogar im Fang gehabt und geschüttelt, in die Luft geschleudert und wieder gepackt. Er habe nur knapp überlebt und sei sehr schwer verletzt worden.
Auf den Fotos, welche sie mir auf ihrem Handy zeigt, sehe ich eine einzige grosse Verletzung. Der Hund schaut aus wie aufgerissen. Eine riesige Fleischwunde, nirgends mehr Fell. Seitdem habe er sehr Angst vor grossen Hunden. Er müsse lernen, dass die ihm nichts machen und seine Angst überwinden. Also ohne ihre Unterstützung. Sonst wird er in Zukunft immer Angst haben.
 
Wie unempathisch Menschen doch manchmal sein können
Manchmal bin ich nur noch sprachlos und sehr entsetzt, was Menschen ihren Hunden antun. Zudem ist einer meiner Hunde derselben Rasse zugehörig wie der Hund, welcher den Kleinen so zurichtete.
Umso schlimmer, den kleinen Hund in seiner Angst einfach alleine dort stehen zu lassen und weiterzugehen.
 
Wir deeskalieren, während die Dame weitergeht
Meine Hunde und ich haben dem kleinen Hund Zeit gegeben, sich uns anzunähern. Die beiden Damen haben wunderbar an Ort und Stelle bleibend deeskaliert. Und als das kleine Hündchen dann bei uns ankam, durfte es die Damen überall beschnüffeln. Wendy hat sich sogar ganz klein gemacht und sich hingelegt.
 
Mittlerweile wurde die Frau ungeduldig. Es ging ihr offenbar zu langsam mit dem aktuellen Lernprozess ihres kleinen Hundes. Sie möchte weitergehen.
 
Gedanklich wünsche ich dem Kleinen von Herzen ganz viele gute Begegnungen, um sein Trauma mit der Zeit verarbeiten zu können.
 
In diesem Sinne:
 

«Empathie ist eine Grundeigenschaft und Voraussetzung dafür, die Not in einem Gegenüber zu erkennen.»

 
  • Aufrufe: 2287