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Hundewiesen als Auslastungsmodell mit Funfaktor für den Menschen

Auf den Hundewiesen geht die Post ab
Was machen Menschen auf den öffentlichen Hundewiesen? Bälle und Frisbees werfen! Beinahe habe ich es erahnt, obwohl irgendwo in mir doch noch ein Fünkchen Hoffnung war, dass die Hunde auf besagten Wiesen einfach mal in aller Ruhe und ohne Erregung Hundefreunde kennenlernen dürfen. Und der Mensch die Möglichkeit hat, hündische Kommunikation und Interaktion in Echtzeit zu beobachten. 

Wie ich heute erfahren habe, läuft das dort etwas anders ab. Doch dazu später.

Drei Hundedamen treffen sich unterwegs
Meine Damen und ich befinden uns bereits auf dem Rückweg zum Auto, als wir einem anderen Mensch-Hund-Team begegnen. Wunderbar, denke ich, die Hundedame passt von ihrer Energie gut zu meinen Hunden. Freundlich und entspannt. Wir Menschen klären kurz das Setting und gehen dann zusammen weiter. Die drei Damen schnüffeln gemeinsam an den spannenden Stellen, gehen friedlich nebeneinanderher, alles sehr gechillt. 

Muss es denn immer dieses Ballwerfen sein, egal ob gerade passend oder nicht?
Die Ballschleuder in der Hand des Menschen nehme ich zu Beginn unserer Begegnung zur Kenntnis, vergesse sie nach meiner anfänglichen Irritation aber wieder. Bis wir an eine abgemähte Wiese gelangen und der Mensch mit seiner Frage, ob meine Hunde Tennisbälle mögen, die Ballschleuder im wahrsten Sinn des Wortes zurück in mein Bewusstsein katapultiert. 

Bereits greift seine linke Hand an die Schleuder und die rechte zieht wie tausendmal geübt, einen Tennisball aus seiner Tasche. Er klemmt diesen mit einer automatisierten Handbewegung auf den dafür vorgesehenen Platz am Ende des Stieles und schon geht der Wurfarm in Richtung Horizont. 

Auspowern über Mittag ist angesagt
«Nein», entfährt es mir, «auf keinen Fall werfen». Der Mensch mit Wurfarm schaut mich ganz entgeistert an. Seine Bewegung bleibt irgendwo zwischen Himmel und Erde hängen, der Ball schwebt über seinem Haupt. Was ich denn gegen Ballwerfen einzuwenden habe? Sein Hund könne das stundenlang machen. Er müsse ihn doch auspowern in der Mittagspause, damit er danach wieder ruhig im Büro schlafen kann. Sie gehen deswegen auch regelmässig über Mittag auf die Hundewiese, dort sei immer so viel Action und Fun für die Hunde. Genau, Schönheitsschlaf voller Adrenalin. Gut, dass Hunde keine Falten bekommen, denn das passiert, wenn ein Lebewesen unter Dauerbespassungsstress steht. 

Auf meiner Stirn hingegen macht sich mehr als eine Kummerfalte breit. Ich schlage vor, dass sich unsere Wege nun trennen, damit er in Ruhe auf die Wiese zum Ballwerfen gehen kann.

Das Wasser zieht in magisch an, also den Menschen
Doch davon will der Mensch nun gar nichts wissen, er könne das auch morgen wieder tun. Innerlich aufatmend und mich gerade wieder entspannend, sehe ich im Augenwinkel, wie er sich mit dem Ball in die entgegengesetzte Richtung zur Wiese auf das Ufer des Flusses zubewegt.

Die Frage, ob meine Hunde gerne schwimmen, lässt nicht lange auf sich warten. Kaum habe ich die Frage bejaht, geht sein Wurfarm schon wieder in Richtung Horizont. Echt jetzt, er hat tatsächlich vor, ein Objekt ins Wasser zu werfen, während drei Hunde sich am Ufer aufhalten, die sich gerade erst kennengelernt haben. Zumal Wasser die Erregung steigert und einer allfälligen Ressourcenaggression auf ein Spielobjekt Vorschub leistet. 

Wieso dürfen die Hunde nicht einfach mal Hund sein?
Aber was mir viel mehr zu denken gibt und weswegen ich jetzt hier sitze und darüber schreibe, ist die Tatsache, dass Menschen ihren Hunden offenbar nicht zutrauen, deren spärliche Freizeit selbst zu gestalten und mit anderen Hunden für eine Weile hündisch unterwegs zu sein. Ohne Bespassung durch den Menschen, ohne Einmischen, wenn alles gut läuft. Sich einfach mal zurücknehmen und den Hunden das gönnen, was ihnen zusteht: Sozialkontakte pflegen und geniessen, die Gegend erkunden, zusammen Schnüffeln, zusammen ins Wasser laufen, zusammen buddeln oder zusammen abhängen.
 
Die drei Hunde waren in so einer schönen Stimmung unterwegs: keine Hektik, kein Herumgewusel, keine Machtkämpfli. Und der Mensch hat das offenbar für seinen Hund als nicht Mittagspause füllend, respektive als nicht auspowernd genug erlebt. 

Gerade auf Hundewiesen hätten sie doch die Möglichkeit für soziale Kontakte
Selbst auf Hundewiesen, wo die Hunde die Möglichkeit hätten, sich gegenseitig anzunähern, wird das nicht selten durch all die Frisbee und Ball werfenden Menschen vereitelt. So entsteht viel Hektik mit vielen aufgeregte Hunden, die zwar gerannt sind wie die Weltmeister, aber keinen einzigen schönen Sozialkontakt für sich verbuchen konnten. 

Wieder einmal stellt sich mir die Frage aller Fragen: «Weshalb nur macht der Mensch den Hund so dumm und verkennt, dass Hunde hochsoziale Wesen sind, die auch ohne Ballhetzen und Stöckliwerfen wunderbar durch ihr soziales Leben kommen? 

Und weshalb nur denkt der Mensch, dass sich sein Hund langweilt unter anderen Hunden? Oder wenn sein Hund mit ihm auf einem Spaziergang durch die Gegend streift? Ich weiss da echt keine Antwort darauf. Möglicherweise kannst du sie mir geben?

Irgendwie war ich froh, als wir uns verabschiedeten. Weil seine Enttäuschung über die vertanen Wurfmöglichkeiten immer noch in der Luft schwebten.  

In diesem Sinne:
 

«Auch ohne Wurfobjekte in der Tasche wird dein Hund da draussen glücklich sein.»

 

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