«Wenn du ein Verhalten nicht mehr möchtest, hör auf es zu verstärken.»
«Wenn du ein Verhalten nicht mehr möchtest, hör auf es zu verstärken.»
(Aussage von Dr. Ute Blaschke-Berthold)
Tönt sehr logisch oder etwa nicht? Und ich bin ziemlich sicher, dass du gerade an ein Verhalten deines Hundes denkst, welches du auf keinen Fall mehr möchtest.
Die Klassiker sind: ziehen an der Leine, betteln am Tisch, Essbares wegfinden etc. Ein Verhalten wird dadurch verstärkt – also mehr oder heftiger –, wenn sich die Konsequenz des Verhaltens für den Hund lohnt. Und lohnen tut es sich dann, wenn die Folge eines Verhaltens dem Hund ein gutes Gefühl vermittelt, also Freude hervorruft oder eine angenehme innere Gestimmtheit. Dadurch wird seine Motivation erhöht, das Verhalten auch in Zukunft öfters zu zeigen.
Wie schaut das in der Praxis aus?
Nehmen wir als erstes Anschauungsbeispiel den Klassiker: 'Ziehen an der Leine'. Die Motivation deines Hundes ist in den meisten Fällen, zu einem begehrten Zielobjekt zu gelangen. Das kann eine Geruchsspur am Boden sein, eine Markierstelle, ein anderer Hund oder auch einfach das Bedürfnis nach einer schnelleren Gangart.
Kommt nun dein Hund über den Zug an der Leine zum Erfolg, lernt er sehr schnell: «Ziehen an der Leine lohnt sich für mich.» Folglich wird er es auch in Zukunft immer öfters tun.
«Wenn du ein Verhalten nicht mehr möchtest, hör auf es zu verstärken.»
Bist du aber ab diesem Moment und in Zukunft in jedem Fall und immer konsequent und gibst dem Zug deines Hundes an der Leine keinen Millimeter mehr nach, wird er mit Sicherheit das Verhalten 'Ziehen an der Leine' nach einer gewissen Zeit nicht mehr zeigen. Klar vermitteln wir ihm gleichzeitig, was wir von ihm wollen und verstärken dieses alternative Verhalten. Das ist aber heute nicht unser Thema.
Auch das Betteln am Tisch kannst du verstärken oder eben nicht
Genauso ist es beim Betteln am Tisch: Gibst du deinem sabbernden Hund am Tisch ab sofort keine Häppchen mehr, wird das Verhalten 'Betteln' zwar in den nächsten Tagen etwas zunehmen. Schliesslich hat es ja bisher recht gut geklappt. Danach wird sich das Verhalten löschen, weil der Verstärker, also das Häppchen für den Hund, ausbleibt. Keine Belohnung mehr, kein Betteln mehr. «Wenn du ein Verhalten nicht mehr möchtest, hör auf es zu verstärken».
Natürlich fällt auch erwünschtes Verhalten weg, wenn der Verstärker nicht mehr kommt
Und nun schlage ich den Bogen zu dem Verhalten, das der Mensch von seinem Hund möchte, weil es ihm, also dem Menschen, das Leben erleichtert. Werfen wir einen Blick auf den Rückruf. Wenn der Mensch das Verhalten 'schnell zum Menschen rennen' aufbaut, belohnt er seinen Welpen oder auch erwachsenen Hund sehr häufig und sehr hochwertig dafür. Und irgendwann denkt sich der Mensch offenbar: «Nun habe ich meinen Hund ausreichend für das Zu-mir Kommen belohnt, das sollte er jetzt können.» Und lässt einfach die Belohnung weg.
Wie war das nochmal? «Wenn du ein Verhalten nicht mehr möchtest, hör auf es zu verstärken». Ärgere dich also bitte nicht darüber, wenn dein Hund nach einiger Zeit des 'Nicht-mehr-belohnt-Werdens' auf deinen Rückruf hin fröhlich in eine andere Richtung rennt und sich anderweitig vergnügt.
Verhalten, das mir gefällt, belohne ich ein Leben lang
Ich persönlich belohne meine Hunde immer, wenn sie auf das Rückrufsignal zu mir kommen. Und zwar für jeden einzelnen Rückruf. Mein Motto ist: «Wenn ich ein Verhalten möchte, muss ich es verstärken, und zwar ein Hundeleben lang.»
Das tönt doch super einleuchtend. Auch das lockere und entspannte Gehen neben mir mit und ohne Leine belohne ich, solange meine Hunde mit mir leben. Natürlich nicht mehr so häufig und nicht nach ein paar Schritten, wie das bei einem Welpen oder Junghund der Fall ist. Aber doch so oft, dass wir alle die Freude am Nebeneinandergehen behalten.
Kleiner Exkurs zu den Futterbelohnungen
An dieser Stelle ist es zwingend, eine Nebenbemerkung anzuschliessen: Ich kann bis heute nicht verstehen, weshalb die Menschen zum Teil so zurückhaltend, um nicht zu sagen geizig sind, wenn es darum geht, dem Hund ein Futterstück für eine gute Leistung zu geben. Leider haben die Menschen immer noch ein Bild im Kopf, dass Futterbelohnungen etwas mit Bestechung und Korruption zu tun haben und der Hund dadurch per se zum Chef über den Zweibeiner wird.
Oder sie sagen Dinge wie: «Der kommt nur wegen dem Gudi.» Klar, wenn du mit der Guditüte winkst, anstatt ein Markerwort aufzubauen um danach die Belohnung zielführend und korrekt einzusetzen, wirst du logischerweise zum Futterautomaten oder zur Ballwurfmaschine mutieren.
In diesem Fall hat dir offenbar niemand die Lerntheorie gut vermittelt und dir verständlich erklären können, wie man Verhalten aufbaut und Verstärker nutzt.
Dein Hund entscheidet, was für ihn eine Belohung ist
Ich sage dir: Einzig und allein dein Hund entscheidet, was er als Belohnung empfindet. Ich bin sehr dankbar, dass meine Hundedamen so verfressen sind. Müsste ich für jedes tolle Verhalten eine Umweltbelohnung einsetzen, wäre das doch etwas anstrengend. Ja, wir haben auch Umweltbelohnungen auf unserer Top-Twenty-Liste. Nur hat es nicht immer ein Mauseloch oder einen Sandhaufen oder sonst einen Reiz im Aussen, den ich meinen Damen für ein ruhiges Gehen als Belohnung vor die Nase setzen könnte.
Am besten nimmst du gleich ein Blatt Papier und einen Stift und schreibst für dich zehn Dinge auf, die dein Hund sehr gerne mag. Und die du dann situationsadäquat als Verstärker nutzen kannst. Stehen da nur 'Gudi fressen' und 'Spielzeug hetzen', fang damit an, die Gudigabe zu variieren. Als 5-Gudispiel, als Ping-Pong-Variante, als kleine Suche im Bewuchs, als Lauerspiel etc. Auch das Spielzeug kannst du auf unterschiedlichste Arten nutzen.
Auch du wirst nur solange arbeiten gehen, wie es sich für dich lohnt
Und vielleicht bist du jetzt innerlich schon etwas weggekommen vom Gedanken, dass du deinen Hund bestichst. Oder besticht dich dein Chef, wenn er dir für deine Arbeit am Ende des Monates Geld auf dein Konto überweist? Er wird dann aufhören mit seinen Zahlungen, wenn du deine Leistung einstellst oder kündigst. Und er wird dich mit Sicherheit ziemlich schnell los sein, wenn er dir mitteilt, dass ab sofort die Bezahlung nicht mehr nötig ist, weil du ja jetzt deine Aufgaben kennst und diese auch zur Zufriedenheit aller ausführst.
Wie war das nochmals? «Wenn du ein Verhalten nicht mehr möchtest, hör auf es zu verstärken».
In diesem Sinne:
«Sei grosszügig mit deinen Belohnungen, wenn du das Verhalten deines Hundes behalten möchtest.»
- Aufrufe: 2754