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Wie du das An- und Ableinen für deinen Hund zu einer entspannten Angelegenheit machst

Karabiner klickt, Hund rennt
Sicher hast du diese Situation auch schon erlebt beim Ableinen: Kaum ertönt der Klick des Leinenkarabiners, ist dein Hund in der Startposition. Die Körperspannung steigt, sobald sich deine Hand dem Karabiner nähert. Der ganze Hund ist wie unter Strom, alles schreit in ihm nach LEINEN-FREIHEIT. Dann der Klick und dein Hund verschwindet am Horizont. Und selbst wenn es dir noch gelungen ist, ein halbherziges Sitz einzufordern oder einen Blickkontakt, fiebert dein Hund einzig und allein deinem FREI oder LAUF entgegen.

Auch wenn es bei euch etwas weniger drastisch ausschaut, hat dein Hund eventuell die Erwartungshaltung aufgebaut, dass der Karabinerklick bedeutet, sich so schnell wie möglich von dir zu entfernen. Taucht dann auch noch zeitgleich ein Hundekumpel am Horizont auf, ist es um die Ruhe nach dem Ableinen geschehen.

Wie schaut das nun beim Anleinen aus?
An dieser Stelle spulen wir den Film ein paar Minuten vor. Es ist an der Zeit, deinen Hund wieder anzuleinen. Du holst die Leine aus der Tasche und rufst dein HIER in Richtung Hund. Was nun folgt, sind unterschiedliche Szenarien:

Vielleicht gehört dein Hund zu denen, die sofort auf dem Absatz drehen, alles stehen und liegen lassen und in Windeseile mit fliegenden Ohren zum Menschen rennen, sich neben ihn stellen und erwartungsvoll die Leine anschauen.
Oder du hast einen Hund, der sich nach deinem HIER einige Meter in deine Richtung bewegt, schnell checkt, ob du die Leine oder die Gudihand zuvorderst hast. Und je nachdem siehst du dann deinen Hund wieder von hinten.
Oder eine weitere Möglichkeit: Dein Hund kommt schnell heran, schnappt sich das Gudi und bevor du nach ihm schnappst, ist er auch schon wieder mit seinem Hundekumpel auf der Wiese verschwunden.

Freiheit versus Einschränkung
Schauen wir zusammen an, was denn da genau passiert. Nehmen wir als erstes das Ableinen. Dein Hund hat irgendwann im Verlauf eures Zusammenlebens gelernt, dass Leine los FREIHEIT bedeutet. Und im Umkehrschluss: Leine dran ist eine EINSCHRÄNKUNG.
Und eventuell gehst du da mit deinem Hund sogar einig. Für viele Menschen ist die Leine oder das Gehen an der Leine mit einem Hund so etwas wie eine Spassbremse. Anleinen und Leinengehen ist langweilig und einschränkend, da hat der Hund keine Freude, und der Mensch finde es auch recht anstrengend, seinen Hund an der Leine zu führen.
Beim Ableinen passiert dann genau das Gegenteil: Der Mensch denkt, dass der Hund nun endlich einen tollen Spaziergang hat, weil er herumdüsen kann, wie er möchte. Und für dich Mensch wird es nun auch entspannter, weil du dich anderen Dingen widmen kannst als der Leinenführigkeit.

Werfen wir einen Blick in die Lerntheorie
Wenn wir das lerntheoretisch anschauen, bedeutet das Angeleintwerden eine negative Strafe für den Hund: Etwas Gutes (die Freiheit) geht weg, die Leine kommt dran. Aber eben nur, weil ihr das beide emotional so verknüpft habt.

Das Abgeleintwerden kommt somit einer positiven Verstärkung gleich: Leine weg und die Belohnung ist zum Beispiel dann eben das Spiel mit dem Hundekumpel, oder einfach nur vom Menschen wegzurennen.

Die Grundsteine dafür werden oft bereits in der Welpengruppe gelegt. Angeleintwerden bedeutet eine Einschränkung für den Welpen und Abgeleintwerden kündigt mit einer hohen Trefferquote das Spielen mit den Welpenkumpels an.

Dann kommt dann noch das Gehen an der Leine dazu, was leider auch sehr oft mit Frust verknüpft wird anstatt mit Freude. Nehmen wir das Ziehen an der Leine vom Auto bis zum Welpenspielplatz; das macht dann zwar irgendwie schon VOR-Freude beim Welpen und baut eine hohe Erwartung auf, etabliert aber im Hundegehirn: «Je mehr ich zerre, desto schneller geht’s zum Vergnügen. Und je schneller dieses hinderliche Teil weg ist, desto eher kann ich mit «Klein-Berti» herumtollen.» Auch das ist alles andere als sinnvoll. Sehr schade, denn es kann, darf und soll ganz anders sein.

Verknüpfungen auflösen und durch neue, funktionalere ersetzen
Sicher hast du dir beim Lesen schon Gedanken gemacht, wie du diese Verknüpfungen verändern und auflösen kannst. Im Prinzip keine Hexerei. Wir stellen einfach beides in einen anderen Erwartungskontext, sowohl das Anleinen wie auch das Ableinen.

Wer meine Blogs liest, kennt bereits den Begriff «Reframen». Also für eine bestimmte Situation einen neuen Bezugsrahmen herstellen. Die Intention des Hundes beim Ableinen: «Nichts wie weg hier und rein ins Vergnügen» ersetzen wir durch eine andere, ruhigere Erwartung. Das ist im Prinzip gar nicht kompliziert und schaut in der Praxis folgendermassen aus: Du leinst deinen Hund ruhig ab und baust bei dir ein neues, ruhiges Verhalten auf.

Die einfachste Variante ist eine kleine Futtersuche um dich herum. Das fange ich bereits mit meinem Welpen an. Du bleibst stehen, holst dir eine Handvoll Gudis aus der Tasche, streust diese auf den Boden und während dein Welpe sucht, kannst du den Karabiner ruhig abklicken. Ich empfehle dir, hier bereits das Signal SUCH einzuführen, aber noch kein Ablein-Signal.
Und während dein Welpe die letzten Krümel zusammensucht, gehst du einfach schon mal ganz ruhig los. Merkst du was? Wir drehen das Ganze um. Dein Welpi oder Hund verweilt noch an der Ableinstelle, während du zwei, drei Schritte weitergehst. Oder du wartest einfach, bis alles gefuttert ist und ihr geht dann zusammen entspannt weiter.

Das Ableinen soll nicht zum «Wegrenn-Highlight» werden, sondern mehr so nebenbei geschehen. Auf diese Art baust du eine innere Erwartung auf, dass es sich lohnt, noch beim Menschen zu bleiben, auch wenn die Leine nicht mehr dran ist. Oder sich kurz zu orientieren, wo der Mensch steht oder geht.

Das Signal Ableinen führe ich erst ein, wenn der Welpe in der Ruhe ist
Wenn ich den Eindruck habe, dass mein Welpe oder Hund in der Ruhe suchen kann, führe ich das Signal ABLEINEN ein. Auf keinen Fall möchte ich dieses Wort mit einer hohen Erregung verknüpfen. Deshalb lasse ich es zu Beginn einfach weg.

Das «Such-Signal» ersetzt aktuell auch das «Frei-Signal». In der Praxis schaut es dann so aus: «Ableinen – Suchen.» Wenn mein Welpi dann später nach dem Ableinsignal erwartungsvoll bei mir bleibt, kann ich mein «FREI-Signal» einführen (Das habe ich an anderer Stelle bereits aufgebaut). Du kannst aber auch jederzeit eine kleine Suche oder ein Handtarget oder sonst eine einfach Sache nach dem Ableinen zwischenschalten, dann das Markerwort und Freigeben als Belohnung oder nochmals ein Gudi und dann FREI. Da bist du völlig flexibel. Ich persönlich schalte immer etwas Kleines dazwischen nach dem Ableinen und vor dem FREI.

Wieso ich das Sitz-Signal beim Ableinen noch weglasse
Die Sitzübung vor dem Ableinen geht erst, wenn dein Hund schon sicher unter Ablenkung sitzt. Ansonsten machst du dir das SITZ kaputt und baust wieder viel Erregung und Frust auf. Oft scheitert diese Variante an den Möglichkeiten des Menschen, weil das Timing noch nicht ganz passt, der Futterpunkt nicht optimal ist, eine Hand zu wenig für das Handling ist und der Hund Hummeln im Hintern hat und losdüsen möchte.

Blickkontakt abfragen nicht sehr passend zu Beginn
Eine eher unsinnige Variante finde ich das Abfragen eines Blickkontaktes. Zumindest nicht, bevor der Hund überhaupt gechillt am Ableinort verweilen kann. Wie soll ein Welpe mit einem bereits hohen Erregungsniveau noch seinen Menschen angucken können?

Anleinen richtig aufgebaut macht Freude
Schauen wir uns jetzt das Anleinen an. Hier möchte ich einschieben, dass meine Welpen und Junghunde immer eine 2m-Leine am Gschtältli dran haben. So muss ich auch im Notfall nie nach meinem Welpen grapschen, weil ich durch die zwei Meter eine Art verlängerten Arm habe. Der Welpe erfährt die Leine auf diese Art nie als Einschränkung, weil sie zum Alltag draussen schlicht und einfach dazugehört.

Trotzdem ist es so, dass mein Welpe mal bei mir gehen soll und sich danach wieder entfernen darf. Dieses Bild bleibt also gleich. Und ich baue auch das Klicken des Karabiners immer wieder als bedeutungsloses Geräusch für den Hund mit ein.

Was ich immer und jedes Mal gut belohne, ist, wenn die Hunde von sich aus zu mir hinrennen. Wenn du die Variante mit Karabiner an- und ableinen wählst, soll das Angeleintwerden für deinen Hund ein schönes Ereignis sein.

Mein Hunde kommen zu mir getrabt, wenn ich die Leine in die Höhe halte. Sie haben die Erwartung, dass Leine gleichbedeutend ist mit Belohnung. Was für deinen Hund eine Belohnung ist, hast du sicher bereits herausgefunden. Vielleicht macht ihr auch beim Anleinen eine kleine Futtersuche oder du initiierst ein Rennspiel oder dein Hund liebt einen Hundetrick besonders, den du auch angeleint gut durchführen kannst. Es muss gar nichts Kompliziertes sein. Es geht in erster Linie darum, dass dein Hund gerne zu dir kommt.

Was ich auch oft mache, ist unterwegs einen Hund anzuleinen, wenn er sowieso gerade bei mir läuft – unser Signal ist LEINE, mache ein kleines Zerrspiel an der Leine oder auch mal ein 5-Gudispiel oder sonst etwas Cooles und leine gleich darauf auch wieder ab und gebe mein FREI-Signal. Und stell dir vor: Die rennen nicht gleich weg in die Freiheit, sondern gehen einfach ruhig weiter.

Im Aufbau Rückruf mit Anleinen nicht koppeln
Zum Schluss noch eine Verknüpfung, die ich dir auf keinen Fall empfehle: Rückruf gekoppelt mit Anleinen, wenn du beides oder eines von beiden noch nicht super toll positiv verknüpft hast. Das wäre dann definitiv der Todesstoss für ein freudiges Rückrufsignal.

Also: Ableinen so unspektakulär wie möglich; Anleinen soll mit Freude verknüpft sein und immer mal "just- for-fun" stattfinden auf eurem Spaziergang. Und ganz wichtig: Den Rückruf im Aufbau nicht mit dem Anleinen koppeln. Schon aus diesem Grund macht meine Variante beim Welpen mit permanenter Leine sehr viel Sinn. Viel Freude euch beim Umsetzen. Bin gespannt auf eure Rückmeldungen.

 

In diesem Sinne:

«Lass das Anleinen zu einem Highlight auf eurem Spaziergang werden».

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