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Coaching für Mensch&Hund

Spielend auf das Leben vorbereiten

Spielen heisst, die Welt entdecken

«Das Spiel ist für das Kind die direkte Art, sich mit dem Alltag, mit sich und mit der Welt zu verbinden. Für Kinder ist das freie Spiel ein Bedürfnis. Eine Veranlagung, ein Hang, oft ein Drang. Es ist für das Kind eine tiefe Erfüllung.»
(André Stern, 2016)

Als ich dieses Zitat von André Stern gelesen habe, musste ich sofort an unsere Hunde denken.

André Stern beschreibt, wie Kinder die Welt entdecken. Nicht indem ihnen jemand erklärt, wie sie funktioniert, sondern indem sie ausprobieren, experimentieren, beobachten und ihrer eigenen Neugier folgen dürfen. Erwachsene schaffen dafür eine Umgebung, die das Kind einlädt, eigene Erfahrungen zu machen.

Spielzeug, das bereits alles vorgibt, lässt dafür oft wenig Raum. Ein Auto, das von selbst fährt, spricht und blinkt, braucht kaum noch Fantasie. Es übernimmt bereits die Hauptrolle. Das Kind wird mehr zum Zuschauer als zum Entdecker. Ähnlich verhält es sich mit Spielplätzen, auf denen alles vorgegeben ist. Wurde einmal alles ausprobiert, ist der Reiz häufig schnell vorbei.

Die Welt der Welpen

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Parallelen fallen mir auf.

Kaum ist ein Welpe eingezogen, wartet bereits eine Kiste voller Spielsachen auf ihn. Da gibt es den rosaroten Plüschhasen, den quietschenden Knochen, den sprechenden Ball und unzählige weitere Dinge, die wir Menschen für besonders spannend halten.

Auch viele Welpenstunden erinnern mich an diesen Gedanken. Da werden Geräte aufgebaut, Stofftunnels ausgelegt, Bällebäder bereitgestellt, Wackelbretter montiert und kleine Hängebrücken konstruiert. Für uns Menschen sieht das abwechslungsreich und kreativ aus. Für den Welpen muss das nicht zwingend so sein.

Wer entscheidet, was spannend ist?

Welpen kommen mit einer grossen Entdeckerfreude auf die Welt. Sie möchten ihre Umwelt mit der Nase erkunden, Gerüche aufnehmen, unterschiedlichen Untergründen begegnen, Käfern nachschauen, Wasser entdecken, Äste untersuchen und eigene Erfahrungen sammeln.

In einer künstlich geschaffenen Lernumgebung entscheidet dagegen häufig der Mensch, was interessant sein soll. Er bestimmt, worüber der Welpe laufen soll, in welches Bällebad er steigen soll, welches Spielzeug gerade wichtig ist und wie lange eine Übung dauert.

Macht der Welpe etwas anderes, weil ihn in diesem Moment ein spannender Geruch oder ein kleines Loch im Boden mehr interessiert, wird er nicht selten unterbrochen. Dabei folgt er lediglich seiner eigenen Neugier.

Die Natur braucht keine Regie

Für mich ist eine natürliche Umgebung die viel passendere Lernwelt: Ein Wald, ein Bach, einne Wiese, ein Feldweg. Dort gibt es unzählige Eindrücke, die kein Mensch planen oder nachbauen muss. Jeder Spaziergang verläuft anders. Der Boden fühlt sich anders an, der Wind trägt neue Gerüche heran und hinter jedem Baum wartet etwas Neues. In so einer Lernumgebung darf ein Welpe Hund sein und die Welt in seinem eigenen Tempo entdecken.

Natürlich braucht es dabei die Begleitung seines Menschen. Aber dieser muss nicht jede Minute gestalten. Oft genügt es, gemeinsam unterwegs zu sein und den Welpen beobachten zu lassen.

Müssen wir die Natur nachbauen?

Weshalb bringen wir Welpen auf eingezäunte Hundeplätze, um ihnen künstliche Erlebniswelten zu bauen, wenn draussen bereits alles vorhanden ist? Es ist eigentlich dieselbe Frage, wie wenn wir ein Kind in eine Hüpfburg bringen, obwohl es draussen über Baumstämme balancieren, kleine Hänge hinunterrennen, auf Steine klettern und Pfützen entdecken könnte.

Wir Menschen sind manchmal schon seltsame Wesen. Anstatt das zu nutzen, was uns die Natur jeden Tag schenkt, versuchen wir sie möglichst originalgetreu nachzubauen. Und das meist in bester Absicht. Wir möchten unsere Welpen gut auf das Leben vorbereiten.


In diesem Sinne:

«Wir vergessen manchmal, dass das Leben mit all seinen Möglichkeiten bereits auf uns wartet.»

 

 

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